Reise / Travel


Die koloniale Bergstation Pyin Oo Lwin / The colonial hill station Pyin Oo Lwin

Nach erneuten 12 Stunden Busfahrt nordwärts erreiche ich Pyin Oo Lwin. Meine Fahrtzeit in Myanamar steht allerdings in keinem realen Verhältnis zur tatsächlichen Entfernung. Es sind nur knapp 300 Kilometer bis hier, doch zum einen sind die Strassen nicht gut ausgebaut und zum anderem fungieren die Busunternehmen auch als Speditionen und liefern unterwegs eine Vielzahl verschiedener Waren aus. Etwas ausserhalb der Stadt liegen die Anisakan Wasserfälle. Fast 2 Stunden dauert der steile Abstieg durch eine dicht bewachsene Schlucht und obwohl jetzt in der Trockenzeit eher wenig Wasser die Felsen hinab fliesst, erwartet mich ein grandioser Anblick in einer kraftvoll grünen Dschungelatmosphäre.

After once more 12 hours bus ride northwards I’m reaching Pyin Oo Lwin. But my running time isn’t proportional to the real distance. It’s just 300 kilometers so far, but the roads are not well developed and most of the bus operators are working as a transport company, delivering a lot of goods on the way, too. In Pyin Oo Lwin there are the nice Anisakan waterfalls a little bit out of town. The steep descent through a close covered canyon needs about 2 hours and a magnificent sight in a strong green jungle atmosphere is waiting for me, although there is not so much water flowing down the rocks at the dry season.

Kleine Pagode am Anisakan Wasserfall / Small pagoda at the Anisakan waterfall

In Pyin Oo Lwin selbst fühle ich mich erst einmal fremd und irgendwie einsam. Kein westliches Gesicht begegnet mir hier und die Verständigung in englischer Sprache gestaltet sich schwierig, ein absolutes Kontrastprogramm im Vergleich zum Inle See. Die Stadt zeigt sich mir in einem starken Gegensatz zwischen ärmlichen Hütten an staubigen Strassen und davon abgegrenzt gelegenen prachtvollen Villen im kolonialen Stil. Bereits in der britischen-indischen Besatzungszeit wurde Pyin Oo Lwin als Truppenbasis ausgebaut und beherbergt heute die politische Kaderschule der amtierenden Militärdiktatur des Landes, was für mich auch atmosphärisch deutlich spürbar ist. Ich erlebe zwei Welten, die wohl wegen ihrer grundlegenden Verschiedenheit nicht zueinander finden können. Und viele der einfachen hier lebenden Menschen wirken auf mich lethargisch und innerlich resigniert den Alltag ertragend. Passend zu diesem Umfeld wollte ich ‚Tage in Burma‘ von George Orwell lesen, doch das Buch sollte erst auf meiner nächsten Reisestation den Weg zu mir finden.

At first I’m feeling foreign and a lonely in Pyin Oo Lwin. There is no western face coming across and the communication in English is very difficult. It’s a huge contrast compared to thr Inle Lake. And the town shows oneself with a strong contradiction between poor huts at dusty roads and zoned grand colonial style villas. Pyin Oo Lwin was developed as a base for troops at the british indian colonial era already as well as the political specialist training of the acting military regime is located here and for me it’s atmospherical clearly noticeable. So I’m experiencing two worlds which seem not to be able coming together, because of their fundamental differentness. And a lot of the basic people living here appear lethargic and inwardly resigned bearing their daily life. In line with this setting I wanted to read ‚Burmease days‘ by George Orwell, but the book founds its way to my door just at a later date.

Britische Pferdekutsche im Stadtverkehr von Pyin Oo Lwin / British horse drawn carriage in urban transport of Pyin Oo Lwin

Aus der Kolonialzeit sind in Pyin Oo Lwin noch weitere Überreste erhalten geblieben – zum Beispiel ein Uhrenturm, der Botanische Garten und die antiquarisch anmutenden Pferdekutschentaxis. Und so entscheide ich mich für meinen eigenen kleinen Ausflug in die Geschichte und fahre mit der Pferdekutsche vom Purcell Tower zum Kandawgyi Garden. Hier wurden über 1000 einheimische Bäume, Bambusgewächse, Lilien und Orchideen zusammengetragen und in englischer Manier kategorisiert. Und obwohl das Forstministerium versucht, die Anlage für den ökologischen Tourismus zu vermarkten, scheinen die Einwohner Pyin Oo Lwins den Garten auf ihre Weise zu nutzen. Mit lauter Musik beschallt, strömen hier am Wochenende die Menschen zum Picknick her und ich wandle für sie als eine Art exotisches Fotosouvenier durch dieses Stück burmesische Kultur mit europäischen Wurzeln.

There are some other remains of the colonial time in Pyin Oo Lwin too – for instance a clock tower, the Botanical Garden and the antiquarian looking horse drawn carriages used as taxis in the urban transport. So I’m deciding to make a little trip back in history and going by one of these horse drawn carriages from the Pucell Tower to the Kandawgyi Garden. Over 1000 indigenous trees, bamboo plants, lilies and orchids were collected and categorized in the british style here. And although the Ministry of Foestry trys to market the garden as an ecological tourism area the local people seem to use it in their own way. Provided with loud music it’s a very popular picnic spot of the locals at the weekends. And I’m strolling around these part of the burmese culture like an exotic photo souvenir strenghtening the memories of the European roots from the past.

Sonnenuntergang auf dem Aussichtsturm im Botanischen Garten / Sunset at the viewing tower in the Botanical Garden

Rund um den Inle See / Around the Inle Lake

Am nächsten Tag mieten wir uns zu fünft ein einheimisches Boot samt Fahrer, um gemeinsam die Gegend um den Inle See zu erkunden. Bereits beim Trekking konnten wir uns etwas kennen lernen und es entwickelte sich eine angenehme Dynamik in der Gruppe. Und so gelingt es uns schnell, alle Bedürfnisse zu vereinen und eine guten Plan für den Tag abzustimmen. Wir starten in aller Frühe, um den Sonnenaufgang auf dem See zu erleben. Dabei dürfen wir sogleich einen Fischer in traditionellem Gewand bewundern, der im Farbspektrum des Zwielichtes choreographisch eindrucksvoll auf seinem Boot posiert. Langsam durchdringt die Sonne das dichte Wolkenkleid und die Überreste des nächtlichen Nebels steigen über den Bergen empor. Die kühle Seeluft lässt meine morgendliche Müdigkeit schnell schwinden und wie ein naturgegebener Rahmen begrenzen die mächtigen Berge um den See mein Bild der Wahrnehmung.

At the next day we are going to hire a boat with a local driver to discover the area around the lake in a group of fife. We still had some time to know each other at the trekking and we got a nice dynamic for this smaller group already. So we were able to unite all needs fast, to come to an agreement for a good plan of the day. We started very early in the morning to experience the sunrise at the lake and admired a fisherman in his traditional vesture at first. The sun started to permeate the densed clouds as he posed in the twilight range of colours at his boat choreographically impressive and the remains of nocturnal fog were rising up from the mountains. The cool air at the lake is blowing away my fatigue and like a natural made frame the mighty mountains are bounding the inner picture of my sense.

Traditioneller Fischer auf dem Inle See / Traditional fisherman at the Inle Lake

In dem kleinen Dorf Indein besuchen wir den Morgenmarkt und ich probiere hier die Gewürze, die ich während des Trekkings auf den Feldern gesehen hatte. Der Ingwer beispielsweise hat hier, im Vergleich zu den in Europa gängigen Sorten, eine weitaus intensivere, sich in der Tiefe entfaltende Schärfe und seine ätherischen Wirkstoffe können in beeindruckend kurzer Zeit blockierte Meridiane aktivieren. Am Rande des Dorfes befindet sich zudem ein sehr interessanter heiliger Ort, an welchem mehrere hundert Stupas waldähnlich um eine Pagode angeordnet sind. Respektvoll und auch etwas andächtig durchschreite ich die kunstvoll gestalteten, aus verschiedenen Jahrhunderten stammenden Bauwerke und geniesse die friedvolle Ruhe hier, bevor wir mit dem laut knatternden Boot wieder zurück auf den See fahren.

We are visiting the morning market at the small Indein village and I’m tasting the spices which I saw growing at the fields during our trekking here. The ginger for instance has a much more intense and deeper feeling spiciness, compared to the common varieties in Europe and it’s ethereal agents can activate blocked meridians in an really short time. There is an interesting holy place on the outskirts of the village too where a lot of stupas located around a pagoda like a wood. I’m moving around these artfully designed and in various centuries made monuments in respect and contemplation. And I love to enjoy the peaceful silence until we went back to the lake by our loudly clattering boat.

Stupa am Pagoda Berg des Dorfes Indein / Stupa at the pagoda hill in the Indein village

Insgesamt leben in Myanmnar über 130 verschiedene Völkergruppen und Stämme, die jeweils eine eigene Sprache oder Dialekt sprechen. Auf dem Weg kommen wir bei einem Stamm vorbei, dessen Frauen weltweit für ihre mit Schmuckringen lang gestreckte Hälse bekannt sind. Doch wie ich die Frauen der Kayan Lahwi hier erlebe stimmt mich nachdenklich. Eingesperrten Geschöpfen ähnlich scheinen sie die neugierigen Blicke der Touristen zu ertragen und wirken dabei traurig und bedrückt. Das ist kein Ort für mich, um länger zu verweilen und so freue ich mich, dass wir recht zügig zu einem Besuch der Zigarren-Manufaktur und in das Kloster Nga Phe Kyaung mit den benachbarten schwimmenden Gärten weiterfahren. Auf einer Mischung aus Schlick und Wurzeln gedeihen im Schilfgürtel des Sees Gurken, Tomaten und Auberginen. In dem inselartigen Kloster gehe ich am Ende unserer Tour in kurze Meditation und der während der Rückfahrt aufkommende Regenschauer erleichtert mir auf natürliche Weise, abschliessend wieder im irdischen Hier und Jetzt anzukommen.

There are living about 130 diffenrent ethic groups and tribes in Myanmar and they’re all speaking their own language or dialect. At our way around we’re stopping at a tribe which women are world famous for their long necks pushed by decorative metal rings. But it made me think about how I experienced the Kayan Lahwi women here. It seems as they have to tolerate the curious views of the tourists like trapped creatures and they look sad and depressed. That’s not a good place for me to stay longer and so I’m excited as we started to visit the manufacture of cigars and the Nga Phe Kyaung monastery with it’s adjoining floating gardens quickly. In this surrounding area growing cucumbers, tomatoes and eggplants at a mix of mud and roots only. At the end of our trip I shortly entered meditation inside the beautiful monestary and a rain shower supported me to come back into the present in a natural way.

Regenschauer beim Überqueren des Inle Sees / Rain shower while crossing the Inle Lake

Wanderung von Kalaw nach Nyaung Shwe / Trekking from Kalaw to Nyaung Shwe

Mit dem Nachtbus fahre ich 12 weitere Stunden in Richtung Norden, in den kleinen Bergort Kalaw. Hier in 1300m Höhe sind die Temperaturen zur Abwechslung einmal durchgehend angenehm und ein lauer Wind umweht mein Gesicht. Trotz der Trockenzeit blüht es rundherum und die Berge sind in ein beruhigt anmutendes Grün gehüllt. Ich geniesse es, hier etwas abzukühlen und seit langem einmal ohne Ventilator oder Klimaanlage angenehm zu schlafen. Von Kalaw aus starte ich in einer kleinen Gruppe eine dreitägige Wanderung zum Inle See. Der unsere Gruppe führende einheimische Begleiter Salai stammt aus dem Westen Myanmars und weiss sehr viel über die Kultur und Geschichte seines Landes. Insgesamt um die 60km Fussweg liegen vor uns und Salai kennt sich in den kaum besiedelten Bergen bestens aus. Wegweiser gibt es hier natürlich keine und Mobiltelefone funktionieren auch nur hin und wieder mal.

I’m going 12 more hours in direction north to visit the small town Kalaw in the mountains. The temperatures are very comfortable here at the height of 1300m and a mild wind breezes around my face. Nevertheless it’s dry season it’s blooming almost everywhere and the hills are covered in a relaxed seeming green. I’m enjoying to cool down a little bit and sleeping nice without a fan or air condition. From Kalaw i’m starting a three day trekking in a small group to the Inle Lake. The local guide Salai comes from the west of Myanmar and knows a lot about the culture and history of his country. There are about 60km of foodpaths in total to go for us and Salai is well versed in the sparsely populated mountain area.

Felder und Weite in einer surreal wirkenden Landschaft / Fields and wideness in a surreal looking landscape

Wir wandern kiefernbewachsene Berge hinauf und an steilen Hängen entlang. Mich erfreut der Anblick der terrassenförmig angelegten Felder, auf denen die Bauern vorwiegend Gewürze wie Ingwer, Knoblauch oder Chilli anbauen. Zwischendurch tauchen einige Hütten auf und bieten schattige Plätze zum Essen und Auffüllen unserer Wasservorräte. Unsere Nachtlager sind Gruppenräume in einheimischen ‚Homestays‘ und somit verbringe ich auch nahezu die gesamte Zeit in der Gruppe. Aber in den Weiten der Natur finde ich immer wieder Raum für mich, für eine kurze Meditation und zum bewussten Wahrnehmen meiner selbst. Und manchmal ist für mich die Selbstreflektion sogar einfacher, wenn ich dafür zeitnah Blickwinkel von ähnlich bewusst wahrnehmenden Menschen mit einbeziehen kann.

We’re hiking up to pine overgrown hills and along steep slopes. I’m enjoying the view of terraced fields where the farmers growing mostly spices like ginger, garlic or chilli. From time to time we are passing some shade providing huts for eating and refilling our water supplies. Our places for the nights are dorm rooms in local ‚homestays‘ and so I’m spending nearly the whole time in the group. But in the wideness of the nature I’m always getting back my own space fast, for a short meditation and some conscious awareness of myself. And sometimes it feels even easier for me to reflect upon myself while including other similar conscious perceiving persons points of view.

Bambusbrücke zur Flussüberquerung / River crossing at a bridge made of bamboo

Die zweite Nacht verbringen wir dann in einem Kloster, in welchem Kinder von älteren Mönchen angeleitet ihre ersten spirituellen und gruppensozialen Erfahrungen machen. Neben ihrer Aufgabe als Lehrende vertreten die Mönche hier auch eine moralische Instanz im Dorf, die sich kleinerer Vergehen und Streitigkeiten soziologisch annimmt. Ich bin von dieser Praxis überaus fasziniert, da sie pädagogisch wertvolle Herangehensweisen im Umgang mit menschlichen Schwächen aufzeigt. Der letzte Tag unserer Wanderung lässt mich dann einige intensivere Berghänge entlang eines wunderschönen Flusses sowie ein kühlendes Bad in einem kraftvoll tosenden Wasserfall erleben. Mit einer Fahrt im traditionellen Boot klingen die drei Wandertage für mich aus und ich freue mich wieder mal auf ein eigenes Zimmer in Nyaung Shwe.

We’re spending the second night in a monastery, where children gaining their first spiritual and group socialising experiences teached by the older monks. Additional to their function as a teacher the monks representing a morally authority, which handles some minor misdemeanors and conflicts in a sociological way, too. I’m very fascinated by this kind of practise, because it demonstrates an educational precious way of handling human failings. At the last day of our trekking I experienced some more intense mountain slopes along a beautiful river and a cooling bath in a powerful roaring waterfall. A ride by a traditional boat brings these three days to a close and I’m excited to get one room for myself in Nyaung Shwe now.

Kleine Mönche auf dem Weg zum Kloster / Novice monks at the way to the monastery

Yangon – Die ehemalige Hauptstadt / The former capital

Anfang Mai reise ich nach Myanmar. Mein erstes Ziel hier ist die 5 Millionen Metropole Yangon. Laut, chaotisch und mit drückenden Temperaturen um die 40 Grad presst sich die Energie hier regelrecht durch die überfüllten Strassen. Ich fühle mich wie in einem riesigen Kochtopf mit unüberschaubar vielen Zutaten, die aus ganz verschiedenen Epochen zusammengemixt vor sich hin brodeln. Den Hauptstadtstatus musste Yangon zwar vor einigen Jahren an Naypyidaw abtreten, doch im Alltag präsentiert es sich weiterhin als das wirtschaftliche und gesellschaftliche Zentrum Myanmars. Hier befindet sich auch das National Museum des Landes, in welchem man einen umfassenden Eindruck der vergangenen Zeiten bekommt. Auf fünf Stockwerken tauche ich für mehrere Stunden in die Geschichte eines vielfach geknechteten und lang unterdrückten Volkes mit einem vielleicht weltweit einzigartigen ethnischen Abbild ein.

In the beginning of may I’m starting to travel around Myanmar. My first destination is the metropolis of Yangon with a population of about 5 million people. Very noisy, chaotic and with permanent temperatures around 40 degrees the energy here feels like strongly pushed through the crowded streets. I feel like staying in a big pot filled with many unmanageable ingredients mixed up and seetheing. Some years ago Yangon lost the capital status to Naypyidaw, but it presents itself still as the economical and social center of Myanmar. So the national museum of the country, where you can get full impressions of the former times, is located here. At five floors I’m going deep into the history of unique ethnic kinds of people who were enslaved and repressed for a long time.

Historische Skulptur im National Museum von Yangon / Historical sculpture at the national museum of Yangon

Von allen gesellschaftlichen Veränderungen blieb die buddhistische Lebenshaltung Myanmars allerdings weitesgehend unberührt. Als landesweites Wahrzeichen für die, alle Gesellschaftsschichten durchziehende, spirituelle Zentrierung erstrahlt in Yangon weithin sichtbar die riesige Shwedagon Pagode. Die Kraft dieses faszinierenden Ortes ist schwer zu beschreiben. Auf mich wirkt sie wie eine Art übergeordnete Verbindung zwischen Himmel und Erde, die meine Seele an ihren göttlichen Ursprung erinnert und mich in universellem Einklang stabilisierend ausrichtet. Und vielleicht ist es genau diese Kraft, welche die Menschen hier alle Schwierigkeiten im Vertrauen überstehen lässt und die eine omnipräsente Demut und Hingabe mit sich bringend, die Unendlichkeit des Seins stetig im Irdischen manifestiert.

But the buddhistic way of life seems to be mostly untouched by any social changes in Myanamar. As a symbol of the spiritual centering in all social layers the giant Shwedagon pagoda is already visible from far away and the power of this fascinating place is difficult to describe. For me it felt like a parent connection between heaven and earth which remembers my soul of their divine origin and supports me to be in harmony with the universe. And maybe it’s exactly this power which let Myanmar people overcome all the difficulties in trust and which manifests the infinity of beeing continuously including an omnipresent devotion and humility.

Die spirituelle Kraft der Shwedagon Pagode / The spiritual power of the Shwedagon pagoda

Im Stadtbild von Yangon hat vorwiegend die britische Kolonialmacht sichtbare Spuren hinterlassen. Besonders im Downtown Stadtteil erhalten zahlreiche, zum Teil dem Verfall preisgegebene, Gebäude die Erinnerung an diese Zeit aufrecht, aber es gibt hier auch einige Teehäuser und Bäckereien in sehr gutem Zustand. Als Europäer erlebe ich dies als ambivalent: Einerseits mag ich die Ästhetik der alten englischen Bauten und die vertraut kulinarischen und kulturellen Einflüsse lassen in mir ein subtil heimisches Gefühl aufkommen. Andererseits bin ich mir aber auch der ethischen Kontroversen dieser Einflüsse auf die ursprüngliche Kultur der Stadt und der damit verbundenen Fremdbestimmung im Leben der Menschen in Yangon bewusst.

Mainly the british colonizers left recognizable marks in cityscape of Yangon. There are a lot of buildings keeping the memories of this time alive in the downtown district. Some of them decaying slowly, but in the center area there are some old styled tea houses and bakeries in good conditions too. As an european I’m experiencing this as an ambivalence: At the one hand I like the aesthetic of the old english buildings and the familiar culinary and cultural influences make me feel subtle home. But on the other hand I’m aware of the ethic controverses of these influences, changing the origin culture and other directing the life of the people in Yangon, too.

Britische Kolonialbauten im Downtown Stadtteil / British colonial buildings at the downtown district

Koh Mak – Eine Familieninsel / A family island

An meinem freien Wochenende besuche ich die 2h Bootsfahrt entfernte Insel Koh Mak. Aufgrund des flachen Strandwassers fährt man das letzte Stück mit kleinen Fischerbooten an Land. Schon bei meiner Ankunft merke ich wie sich auch in mir alles entschleunigt. Die Insel strahlt eine friedliche Ruhe aus, welche sich unmittelbar auf mich überträgt. Endlos weisse Strände, sich in lauem Windhauch wiegende Betelpalmen und kristallklares Wasser erschaffen hier in natura Bilder, wie ich sie bisher nur in Reisekatalogen oder Werbespots gesehen hatte.

At my free weekend I went to the neighbour island of Koh Mak. It’s 2h away by a local big boat and the last part was done by small fishermen boats, because of the flat water at the coast. Just as I arrived, I felt everything slowing down inside me. The island feels so peaceful and quiete and I like to get in resonance with it. Endless white beaches, moving betel palms in the lukewarm wind and crystal clear water around me are creating some awesome pictures which I have seen only at traveling brochures or in advertising clips before.

Ankunft am Ao Soun Yai Strand / Arrival at the Ao Soun Yai beach

Aber Koh Mak geht im Tourismus ganz eigene und bewusste Wege. Der grösste Teil der Insel befindet sich in Familienbesitz mit kambodschanischen Wurzeln. Die wenigen Unterkünfte hier entwickeln sich überwiegend im Einklang mit dem Ökosystem. So hat beispielsweise das Seavanna Resort einen eigenen Bio-Garten, in welchem Zutaten für die Speisen im Restaurant wachsen. Und auch im infrastukturellem Ausbau setzt man auf Naturverbundenheit. Nur wenige Fahrzeuge sind auf der Insel unterwegs und durch die kurzen Distanzen sind viele Orte auch bequem zu Fuss erreichbar.

But Koh Mak goes an own and more mindful way in tourism. The largest part of the island is owned by one family with cambodian roots and they decided to developing tourism slowly and in harmony with the ecological system. The Seavanna resort for example has an organic garden and cultivates different ingredients for their restaurant. And the expansion of the infrastructure goes in a natural way too. Only a few vehicles are going around the island and because of the short distances it’s also easy to walk to a lot of locations.

Handgefertigte Wegweiser auf Koh Mak / Handmade signposts at Koh Mak

In der heissen Jahreszeit sind kaum noch Gäste auf Koh Mak und so konnte ich mit etwas Verhandlung günstig in einem Bungalow direkt am Wasser übernachten. Ich empfand es als eine Art persönlichen Luxus, direkt nach dem Aufstehen und ohne andere Menschen um mich herum, im Meer zu schwimmen. Und ich habe hier mein bisher leckerstes Massaman Curry gegessen, in einem unscheinbaren kleinen Inselrestaurant. Insgesamt gesehen war Koh Mak für mich ein perfekter Ort für ein paar wirkliche Urlaubstage auf meiner Seelenheilungsreise.

There are not much guests at Koh Mak in the hot season. So I was able to find fair priced bungalow directly at the beach after some negotiation. It was a kind of personal luxury to swim in the sea immediately after waking up and without any other people around me. And at a small authentic restaurant I ate my most delicious Massaman curry so far. Considered in total Koh Mak was a perfect location for an intense short vacation at my soulhealing journey.

Entspannung an traumhaften Stränden / Relaxation at dreamlike beaches

Koh Chang – Die grüne Insel / The green island

Nach meiner aufregenden Zeit in der Metropole Bangkok freue ich mich wieder auf die Natur und das Meer. Ich reise südostwärts auf die Insel Koh Chang, deren touristische Erschliessung sich in einem für mich angenehmen Rahmen bewegt. Im ökologisch orientierten Blue Lagoon Resort in Klong Prao Village unterstütze ich für 3 Wochen die Kinderbetreuung vor Ort. Es sind in meiner Wahrnehmung besondere Menschen, die hier in familiärer Atmosphäre leben und wirken – eine erfrischende Mischung aus Einheimischen, kambodschanischen Gastarbeitern und europäischen Expats. Von Anfang an fühle ich mich in der kleinen Gemeinschaft herzlich aufgenommen und willkommen. Ich geniesse es, die verschiedenen kulturellen Einflüsse zu erleben und meine Fähigkeiten und Erfahrungen in den Alltag hier miteinzubringen.

I like to enjoy the nature and the sea again after my exciting time in Bangkok. So I’m moving in direction southeast to the island Koh Chang now, where the tourist development is in a state which I still can enjoy. Here I’m supporting the childcare in the eco friendly Blue Lagoon resort in Klong Prao village for 3 weeks. The people who are living and acting here are very special my perception – a refreshing mix of natives, cambodian foreign workers and european expats. From the first moment I feel warmly welcome and incorporated. And I enjoy to experience the different cultural influences and like to share my skills and practical knowledge.

Wohnraum oben und Kinderbetreuung unten / Living room upstairs and childcare area downstairs

Koh Chang liegt inmitten eines riesigen Meeres-Nationalparks und ist überwiegend von sattem Grün bedeckt. Bis auf über 700m Höhe erstreckt sich der unberührte Dschungel in der Inselmitte und je nach Vorliebe laden ringsherum belebte oder etwas ruhigere Strände zum Verweilen ein. Zum ersten Mal in meinem Leben begegne ich hier auch real der faszinierenden Unterwasserwelt des Meeres. Nur etwas über 1h Bootsfahrt von der Insel entfernt erlebe ich beim Schnorcheln hautnah was ich bisher nur aus Dokumentationen oder von Fotos kannte. Ich fühle mich wie in einem anderen Universum als bunte Fischschwärme in türkisfarbenem Wasser unter mir schwimmen und in einem aquarellartigen Panorama korallenbedeckter Felsen in naturgegebener Choreographie ihre Kreise ziehen.

Koh Chang is situated inside a huge marine national park and mostly covered by green vegetation. The undisturbed jungle goes up to about 700m high in the middle of the island and there are busy as well as more quiet beaches around. For the first time in my life I get in touch with the fascinating underwater world of the ocean in a real way. Just about 1h by boat away from the island I have my first snorkeling and experience what I knowed from documentations and pictures only before. I feel like in an other universe as swarms of colored fishes in turquoise water are swimming below me and going around in a natural choreography of circles in front of a watercolor like panorama of coral covered rocks.

Schnorcheln am Korallenriff / Snorkeling at the coral reef

Bereits in der Endphase meiner Planung daheim habe ich mich dafür entschieden, unterwegs alle Jahreszeiten mitzuerleben, anstelle nach dem jeweils angenehmsten Wetter zu reisen. Momentan bedeutet das hier „Hot Season“ mit Tag und Nacht annähernd konstanten Temperaturen um die 30 Grad. Meist ist es trocken, doch hin und wieder ziehen intensive Regenschauer von Gewittern begleitet vorbei. Dann steigt die Luftfeuchtigkeit in kurzer Zeit immens an und hüllt die Insel in tropische Schwingungen. Ich sehe das schon einmal als einen Vorgeschmack auf die kommende Regenzeit und vermute, dass diese für mich als Nordeuropäer durchaus eine Herausforderung werden kann.

I decided to feel all seasons at my travel, instead of moving to best weather regions only, already while I finalized my plannings at home. That means „hot season“ with around 30 degrees at day and night at this time here. Mostly it’s dry, but sometimes intense rain showers in combination with thunder and lightning go by. Then the humidity increases fast and strongly bringing the island into a tropical vibration. For me it’s a first taste of the upcoming rainy season and I guess it could become a challenge for my northern european soul.

Tropischer Regen im Blue Lagoon Resort / Tropical rain at the Blue Lagoon resort

Bangkok – Stadt der Engel / City of angels

Nach 3 Monaten Reise führt mich mein Weg in die Hauptstadt des heutigen Thailands. Mit meinem Besuch hier hatte ich bewusst noch gewartet, um Bangkok nicht vornehmlich mit den oftmals beschriebenen „Kulturschockerlebnissen“ zu assozieren. Für mich hat sich der Ansatz bewährt, die Metropolregion mit ihren 15 Millionen Einwohnern kulturell bereits vororientiert zu besuchen. Damit ist es mir bewusster möglich, die riesige Stadt in ihrer faszinierenden Gegensätzlichkeit zu erleben, welche sich sich konsequent durch alle Wahrnehmungs- und Materialisationsebenen zu ziehen scheint.

After 3 months of travelling, my way goes into the capital of Thailand today. I just waited to visit it, because I didn’t wanted to associate Bangkok with the often described „culture shock“ experiences mainly. The approach to visit this metropolregion with about 15 million inhabitants culturaly preoriented worked well for me. So I could experience these giant city and its fascinating opposites, which are present here in all levels of perception and materialization, more mindful.

Vereinte Gegensätze am Flussufer des Chao Phraya / Opposites united at the Chao Phraya riverside

Bangkok bildet das asiatische Prinzip von Yin und Yang in einer für mich neuen Form der Superlative ab und erschafft damit in beeindruckender Weise ein Flair von spirituell gelebter Weltlichkeit mit all ihren Licht- und Schattenseiten. Einerseits höchst lebendig sich am Rande des Chaos bewegend und andererseits äusserst friedvoll struktur- und sicherheitgebend erfahre ich hier in kurzen Abständen unglaublich intensive Gefühlswechsel. Durch die stetige Veränderung um mich herum ist es mir irgendwann auch nicht mehr möglich, meine Emotionen wie erlernt zu kontrollieren. In unentrinnbaren Spiegelbildern reflektiert die Stadt der Engel meinen geordnet gelaubten Mikrokosmos und beleuchtet wie ein sich schnell bewegender Scheinwerfer alle meine mir inne wohnenden Seelenanteile.

Bangkok depicts the asian principle of yin and yang in a superlative way and creates a flair of spiritual lived secularism with all its light and shadow parts impressively. At the one hand highly alive and near of chaos and at the other hand peaceful and safe, it leads me into some very intense emotional changes. At this time for me it’s not possible anymore to control my emotions like I’ve learned in the past. The city of angels shows my supposed structured microcosm in a way of a reflection I can’t run away from and it illuminates all the parts of my soul inside me like a fast moving spot.

Mosaikverzierte Chedis im königlichen Wat Pohtharam Tempel / Mosaic decorated chedis at the royal Wat Pohtharam temple

So starte ich beispielsweise morgens im bescheidenen touristenfernen Yan Nawa Viertel, erlebe mittags den königlichen Wat Photharam Tempel und verbringe den Abend in der Touristenflut auf der berühmten Khao San Road. Ich fühle mich in Bangkok, als würde ich alle vier Jahreszeiten jeweils an einem einzigen Tag durchleben und lerne damit auch unmittelbar die aktuellen Grenzen meiner inneren Adaptionsfähigkeiten kennen. Nach einer Woche verlasse ich Bangkok wieder und in mir verbleiben jede Menge neue Impulse und Inspirationen, verbunden mit vielen Fragezeichen in Bezug auf meine zukünftige Lebensausrichtung.

So for example I started my day at the modest Yan Nawa district without any tourists, experienced the royal Wat Photharam temple later and spent my evening in a bulk of tourists at the famous Khao San road. My stay in Bangkok feels like experiencing all four seasons at one day only and I’m able to feel the boundaries of my current inner adaption skills directly. After one week I left Bangkok with a lot of pulses and inspirations inside me, but with many question marks regarding my future life orientation too.

Bangkok’s höchster Wolkenkratzer Maha Nakhon / Bangkok’s highest skyscraper Maha Nakhon